Wenn Integration gelingt
Seit über 12 Jahren leitete Thomas Achermann bei der Stiftung Rütimattli die Berufliche Integration. Als Job-Coach begleitete er zahlreiche Jugendliche in ihrer beruflichen Entwicklung, darunter auch René Rohrer. Nun stehen beide im März an bedeutenden Wegkreuzungen: René mit dem Schritt in eine Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt und Thomas mit dem Eintritt in die Pensionierung.
In den letzten 20 Jahren waren die Wege der beiden bei der Stiftung Rütimattli eng verbunden. Thomas Achermann, damals noch Lehrer in der Berufsfindungsklasse an der Heilpädagogischen Schule im Rütimattli, half René einen Ausbildungsplatz bei der Stiftung Bächtelen in Bern zu finden. Nach der absolvierten Anlehre zum Hauswirtschaftsmitarbeiter kam René wieder zurück nach Obwalden. Der Heilpädagoge wechselte in der Zwischenzeit vom Klassenzimmer ins Büro, machte die Ausbildung zum Job-Coach und übernahm den Aufbau und die Weiterentwicklung der Fachstelle Berufliche Integration in der Werkstatt Hüetli. „Wir waren unter den Institutionen eine der Ersten, die Praktische Ausbildungen PrA nicht nur intern, sondern auch mit externen Partnern begleiteten. Auch den Mitarbeitendenverleih bauten wir nach und nach aus. Heute sammeln rund 20 Personen punktuell, ausserhalb der geschützten Arbeitsplätze, bei unseren Partnerfirmen Erfahrungen und erweitern so ihre Kompetenzen,“ erklärt der Job-Coach. In seiner Funktion ist er ein Brückenbauer zwischen Mitarbeitenden und Firmen, begleitet und berät beide Seiten, so dass die Integration Früchte trägt.
Ein Praktikum bei maxon öffnete die Türen
Für eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt müsse der Mitarbeiter die passenden Fähigkeiten mitbringen, aber auch das Aufgabenprofil und das Arbeitsumfeld müsse stimmen, betont Thomas Achermann. Und so war es auch beim Praktikumseinsatz von René Rohrer bei der maxon in Sachseln. „Als die Stelle frei wurde, habe ich mir das zuerst nicht zugetraut. Doch mein Vorgänger hat mich ermutigt und ich meldete mich bei Thomas, dass ich es gerne probieren möchte,“ erzählt René. Die Eigeninitiative und der Wille seien ein zentraler Faktor für einen Arbeitseinsatz in der Wirtschaft. Gleichzeitig müsse das Zusammenspiel stimmen, auch das Unternehmen und insbesondere das Team müsse offen sein, sagt der Job-Coach. Bei der maxon kam für René alles zusammen. Via Mitarbeitendenverleih arbeitet er schon seit vier Jahren beim Hersteller von Präzisionsantrieben in unterschiedlichen Bereichen, bis er an der Behälterreinigungsanlage der Logistik eine passende und erfüllende Aufgabe fand. Beim letzten Jahresgespräch bot maxon René eine Festanstellung an. „Ich habe mir das gut überlegt. Es ist für mich ein wichtiger Schritt, und ich bin überzeugt, dass es klappt“, sagt René stolz. Ab März erhält er seinen Lohn direkt von der maxon. Die regelmässige Begleitung durch den Job-Coach braucht er nicht mehr, nur wenn er das Bedürfnis hat. „Genau das ist das Ziel“, sagt Thomas Achermann und meint weiter: „Die Mitarbeitenden können sich schrittweise entwickeln und lernen sich selbstständig im Arbeitsumfeld zurechtfinden. Ziel ist es, dass ich überflüssige werde.“ Auch für ihn fängt mit der Pensionierung ein neuer Abschnitt an. Er übergab die Leitung der Beruflichen Integration bereits Anfang Jahr seiner langjährigen Kollegin Barbara Lang. Für die Zukunft der Beruflichen Integration ist Achermann überzeugt, dass Mitarbeitende wie René mit ihren ganz spezifischen Fähigkeiten wichtige Lücken in der Wirtschaft schliessen können, eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Berufliche Integration bei der Stiftung Rütmattli
- Begleitung von Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf in ihrer beruflichen Grundausbildung. Aktuell werden 9 Lernende begleitet, 6 davon an externen Ausbildungsplätzen. Dazu gehören auch ein Lernatelier sowie der Unterricht der Allgemeinbildung an der Berufsschule.
- Die Stiftung bietet Jugendlichen, die (noch) nicht in eine EBA-Lehre einsteigen können die Praktische Ausbildung – PrA nach INSOS an. Ziel der Ausbildungen ist es, den jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben und ihre Integrationschancen im ersten Arbeitsmarkt zu verbessern.
- Neben der Ausbildung betreut die Fachstelle Berufliche Integration Mitarbeitende bei ihren Einsätzen bei Partnerunternehmen im ersten Arbeitsmarkt. Rund 20 Mitarbeitende sind via Mitarbeitendenverleih im Teil- oder Vollzeit-Einsatz ausserhalb des geschützten Rahmens, für die Mitarbeitenden ein wichtiger Zwischenschritt, um Erfahrungen zu sammeln und Kompetenzen zu erweitern. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt und die Teilhabe am öffentlichen Arbeitsleben ermöglicht.
Auch die Obwaldner Zeitung hat die Erfolgsgeschichte aufgenommen.
